Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Harmonic Brass: Konzert in der Paulanerkirche

Zarte Klänge eines Horns schwebten durch die dunkle Paulanerkirche, in einer anderen Ecke fiel eine Posaune ein. Trompeten antworteten. Musik erwachte und stieg wie aus dem Nichts empor. Sie entfaltete sich wie das erste Leuchten der Morgensonne. Langsam wurde es hell, und die Bläser von Harmonic Brass gingen nach vorn in den Altarraum. Mit der zauberhaften „Morgenstimmung“ aus Griegs Peer-Gynt-Suite begann das Konzert unter dem Titel „One day of music“. Es war die musikalische Essenz eines ganzen Tages.


Hornist Andreas Binder führte durch das Programm und stellte die Werke in einen Zusammenhang als Tagesablauf. Verdeutlicht wurde das durch eine große Uhr auf der Bühne. Da gab als prachtvollen Weckruf Bachs „Toccata und Fuge d-moll“, eine Arie aus Händels Oper „Xerxes“ für ein geruhsames Vormittagspäuschen und am Abend ein dramatisches Medley mit Filmmusiken des großen Kino-Komponisten John Williams aus „Jurassic Park“, „Superman“, „Indiana Jones“.
Alle Stücke, die Harmonic Brass spielte, waren Bearbeitungen des Trompeters Hans Zellner, der die unterschiedlichsten Originalinstrumentierungen für das Ensemble umsetzt. Dabei gelingt es ihm, das Wesen des Stücks einzufangen und ihm zugleich durch das Arrangement für Bläserquintett einen überraschenden, ganz eigenen Pfiff zu geben.
Die Arrangements lebten durch das virtuose Können der Musiker. Die Trompeter Zellner und Gergely Lukàcs, Hornist Binder, der Posaunist Thomas Lux und Manfred Häberlein an der Tuba waren großartig. Jeder einzelne von ihnen hat ausgereifte solistische Qualitäten, und gemeinsam sind sie einen vollendetes Ganzes. Mitreißende Soli und suggestive Tutti, zierliche Barockklänge oder ein fetziger Rag: Die fünf Meister müssen sich keine Gedanken über spieltechnische Anforderungen machen, sondern können sich ganz dem Spaß an der Musik widmen. Und diese Freude steckte an. Das Konzert war ein hoher musikalischer Genuss und dabei ausgesprochen kurzweilig. Die Bläser inszenierten ihren Auftritt und machten mit wenigen Requisiten und viel komödiantischem Talent aus dem Konzert eine Show. Als kabarettistische Einlage gab es die „ARD-Nachrichten“.
Mit dieser gelungenen Kombination aus exzellent gespielter Blasmusik und Vergnügen hat sich Harmonic Brass in Amberg eine treue Fangemeinde erspielt. So war auch bei diesem Konzert die Paulanerkirche voll besetzt.
Ein Höhepunkt folgte auf den anderen. Herrlich war Binders Komposition „one day of music“, die dem Programm den Namen gab. Im Satz „Wecker weiterdrücken“ gaben Tuba, Posaune, Trompeten und Horn das Weckerklingeln, wurden immer lauter. Das Werk drang penetrant in den Schlaf, zerriss die dumpfe Seligkeit des Traums – und aus! Dann war wieder bettschwere Ruhe.
Viel Humor bewiesen die Bläser bei „Mouse and Friends – die schönsten Kinderlieder“. Alle Kinder im Saal bekamen Zettel und Stift, um die Lieder aufzuschreiben, die sie erkannten. Wer das Blatt abgab, erhielt einen Aufkleber sowie einen Lutscher und nimmt an einer Verlosung teil. Das Medley war ein großer Spaß und sehr farbig und humorvoll. Das Publikum sang bei vielen der hier verarbeiteten Lieder fröhlich mit. Prächtig war die Passage mit „Der Kuckuck und der Esel“, als die Posaune laut I-ah schrie und die Trompete den Kuckuck entrüstet antworten ließ.
Lockeren Swing bot „A Tribute to Frank Sinatra“, bei dem die raffinierte Instrumentierung  vergessen machte, dass die Stimme von Ol' blue eyes fehlte. Alle großen Hits konnte man hier wiederhören, und jeder der Musiker spielte noch einmal ein traumhaftes Solo.
Das Publikum tobte vor Begeisterung und klatschte, bis Harmonic Brass als Zugabe Paganinis "Carnevale di Venezia" spielten. Häberlein legte ein atemberaubendes Tubasolo hin. Beifall und Bravorufe spornten ihn an, immer noch schneller zu spielen, während das Publikum sich im Walzertakt wiegte. Mit stürmischem Applaus feierten die Zuhörer den Helden an der Tuba und die anderen Bläser, bis sie schließlich als Rausschmeißer noch „Thank you for the music“ von Abba spielten, wofür ihnen die Musikliebhaber mit stehende Ovationen dankten.
In der Pause und nach dem Konzert verkauften die Musiker CDs und Noten. Der Stand war dicht umlagert, weil so viele Besucher eine handfeste Erinnerung an den großartigen Abend mit nach Hause nehmen wollten.

Melanie Schwarz

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