Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Orgeltour durch das Sulzbacher Land

Orgeltour„Durch das Simultaneum haben sich im ehemaligen Herzogtum Pfalz-Sulzbach besonders viele historische Orgeln erhalten“, erläuterte Dekanatskantor Gerd Hennecke seinen Kollegen aus den evangelischen Dekanaten Sulzbach-Rosenberg, Bayreuth und Forchheim.

Weil die Kirchen von der jeweiligen evangelischen und der katholischen Gemeinde zusammen genutzt werden mussten und beide Gemeinden jeder Änderung zustimmen mussten, blieb über Jahrhunderte fast alles, wie es war. „Deshalb können wir heute im überschaubaren Sulzbacher Land die klanglichen und technischen Veränderungen im Orgelbau der letzten zweieinhalb Jahrhunderte nachvollziehen“, bereitete Hennecke die Kirchenmusiker auf wahre Schätze vor.

Erstmals fand ein gemeinsamer Kirchenmusikerkonvent der drei Dekanate statt, und Hennecke präsentierte das Thema „Geschichte der Orgel“ anhand der besonderen Perlen in seinem Zuständigkeitsbereich.

Vier leitende Dekanatskantoren, dazu weit über 60 nebenamtliche Kirchenmusiker und einige Musikliebhaber aus Stadt und Land, die sich für das faszinierende Instrument interessieren, folgten Hennecke durch das Sulzbacher Land. Zusammen mit Michael Dorn, Dekanatskantor in Bayreuth, stellte er die Orgeln vor und ließ sie erklingen. Dabei hatten die beiden Organisten die Stücke passend zum Instrument ausgewählt, so dass jedes in der vollen Schönheit seiner Möglichkeiten erstrahlte.

Die Rundfahrt begann in Königstein mit der romantischen Strebel-Orgel von 1905. In Etzelwang erlebte die Gruppe in der Nikolauskirche die wertvolle Orgel von Elias Hössler. Sie stammt von 1745 und ist damit die älteste im Dekanat. Das moderne Instrument der St. Willibaldkirche in Fürnried wurde 1974 von Bauer gebaut und von Kilbert 2010 saniert und erweitert.

Eine besondere Kostbarkeit ist die Orgel in der Magdalenenkirche in Götzendorf. Wie Hennecke seinen Kollegen berichtete, hält Dr. Nikolaus Könner vom Landesamt für Denkmalpflege sie für eine der besterhaltenen historischen Orgeln Bayerns. Gebaut wurde sie 1836 in der Formensprache des Klassizismus. Im Klang entspricht sie dem Mozartstil, war also für ihre Bauzeit sehr konservativ. Das Instrument hat sich bis ins Detail original erhalten. Auch der alte handbetriebene Blasebalg ist noch funktionstüchtig, obwohl die Götzendorfer Organistin Angela Möcker heute den elektrischen Ventilator benutzt. Die Organisten nutzten die seltene Gelegenheit, selbst Wind zu schöpfen, also den Blasebalg betätigen. Die Windanlage steht auf dem Dachboden über der Orgel und wird über zwei Seile angetrieben, die durch zwei Löcher im Deckengewölbe geführt werden. Der Kalkant, auch Balgtreter oder Orgelzieher genannt, musste die Seile immer abwechselnd rhythmisch ziehen, um die Orgel mit Luft zu versorgen. „Das ist ja Knochenarbeit“, keuchte ein Organist, der sichtlich dankbar dafür war, dass seine Orgel über eine elektrische Windanlage verfügt.

„Dieses Instrument stammt von Georg Friedrich Steinmeyer aus Öttingen“, erläuterte Hennecke in Illschwang, „dieser bedeutende Orgelbauer hat die Moderne im bayerischen Orgelbau eingeführt.“ Die Orgel von 1878, ein Musterbeispiel des romantischen Orgelbaus in Bayern, ist original erhalten.

Anhand der unterschiedlichen Instrumente konnten die Organisten nachvollziehen, wie sich das klangliche Ideal entwickelt hat. Wurde im Barock das einzelne Register in seiner Klangwirkung betont, weil es solistisch wirken sollte, stand in der Romantik die Wirkung des Ensembles im Vordergrund. Ziel der Orgelbauer war jetzt, ein stufenloses Crescendo und Decrescendo aufzubauen, um dem Orchesterklang möglichst nahezukommen.

Die letzte und jüngste Orgel, die die Gruppe besichtigte, war die der Christuskirche in Sulzbach. Gebaut wurde sie 1959 von der schwäbischen Orgelbaufirma Weigle und 1988 von Gerhard Schmid umgebaut und erweitert. Hennecke informierte seine Kollegen über die Verbesserungen, die er an dem prächtigen Instrument hat vornehmen lassen. So hat er einen Zimbelstern und eine Windharfe eingebaut. Sein nächstes Projekt ist der Einbau einer Englischen Tuba. Dieses außergewöhnliche Hochdruckregister, führte er aus, ist in Deutschland sehr selten und wird die Orgellandschaft nicht nur des Dekanats nachhaltig prägen.

Die Organisten erlebten die Schmid-Weigle-Orgel bei einem musikalisches Abendlob mit der Sulzbacher Kantorei und waren begeistert von ihrer Ausdruckskraft. Den Gottesdienst zelebrierten die Dekane der drei beteiligten Dekanate, Hans Peetz aus Bayreuth, Karlhermann Schötz aus Sulzbach-Rosenberg und Günther Werner aus Forchheim, der über die Bedeutung der Musik predigte.

Die Teilnehmer am Kirchenmusikerkonvent waren begeistert. „Die Orgeln, die wir gesehen haben, sind alle grundverschieden, aber jede ist eine Königin“, stellte eine Organistin fest. Die Musiker nutzten den Tag, um sich intensiv auszutauschen und vom Wissen und den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Zum Abschied bekamen alle eine DVD über die Instrumente, die sie besucht hatten.

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