Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Rundmail von Pfarrer Hans Trein - Koordinator von COMIN

Hans Trein - Guarita 08 2010Liebe Freunde der Partnerschaft Sulzbach-Rosenberg und Dr.Luppa,

Nun sind schon einige Tage vergangen, seit Milton, Márcia, Marcus und Miriam das COMIN-Team in Guarita besucht haben. Inzwischen ist auch die kleine Ana Laura – Tochter der Noeli - geboren (31.08.2010). Der Besuch war aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Wir haben Zeit gehabt, im Team über das Wichtigste zu reden, als Erstes über den Lauf der Arbeit, dann über den im nächsten Jahr anstehenden Delegationsbesuch aus Sulzbach-Rosenberg, über wie es mit ASA weitergehen soll und kann.

Wir haben an einer Auswertungsversammlung mit Kaingangfrauen in Três Soitas teilgenommen, wo es um Förderung der Lebensqualität in unterschiedlichen Bereichen ging. Diese Versammlung fand in einer kleinen Assembléia de Deus Kirche statt und wurde von der Gemeindeband (Keyboard, Guitarre, Kontrabass) mit geistlichen Gesängen begleitet. Am nächsten Tag haben wir Zoraide in ihrem Dorf, Mó, besucht, und es gab Gelegenheit zur Besichtigung des gemeischaftlichen Gartens und zu Gesprächen mit Bruno, einer der Kaingang Studenten, die den COMIN Fortbildungskurs “Erziehung, Diversität und Indigene Kulturen” im Juni abgeschlossen haben – er hat übrigens mit Sandro in diesem Kurs auch doziert. Er ist für das Erlernte besonders dankbar und setzt schon viele Anregungen in die Praxis um, besonders bei den Gelegenheiten mit LehrerInnen aus dem öffentlichen Schulwesen. Ausserdem gedenkt er mit einem Magister nochweiter zu machen. Zu Mittag waren wir bei Iracy eingeladen. Dort gab es neben Salat und “Galinhada” (Huhn mit Reis) auch Maniok und schwarze Bohnen und dazu besonders das Brot in der Asche und als Gemüse das traditionelle Fuá. Ganz “unverhofft” (aber durchaus geplant, wie wir später erfahren haben) kam auf einmal der Cacique Geral (Gesamthäuptling), Valdonês, von Guarita mit seiner Frau zu Mittag, und dies ergab auch noch weitere Gespräche. Seine gesamte Haltung war der COMIN-arbeit sehr wohlgesonnen, soweit dass er uns aufforderte, innerhalb des Kaingang Landes eine Art COMIN-Sitz aufzubauen. Als ich ihn dann daran erinnerte, dass vor 25 Jahren der COMIN schon mal aus dem Guarita-Land rausgeschmissen wurde, war kurzes peinliches Schweigen, aber dann sagte er in aller Deutlichkeit, dass die Zeiten und die Menschen andere sind, und dass wir dann doch wenigsten in einem von ihnen schon geplanten Kulturzentrum einen Stand besetzen mögen, denn was funktioniert muss gezeigt werden, darüber muss ein konkretes, sichtbares Merkmal zurückbleiben. Wörtlich:“Wir vergehen, aber es muss ein Merkmal bleiben!”. Milton wird Euch anschaulich und mit vielen Fotos darüber ausführlich berichten. Weitere Besuche bei der evangelischen Familie Breunig, die das Ehepaar Schötz beherbergte und bei dem Pfarrer Nestor Schuh (knapp zwei Jahre in Tenente Portela) stärkten Verbindungen zur lokalen Gemeinde, die noch am Freitag Abend Gottesdienst einen besonderen Anlass zur Annähreung boten. Insgesamt eine runde Sache! Wir haben uns sehr gefreut und sind durch diesen Besuch in der Mission ermutigt worden. Wir danken Euch alle ganz herzlich für diese geschwisterliche Unterstützung.

Die Arbeit von Noeli kommt sehr gut an. Die Kaingang werten sie zusehends sowie den gesamten Einsatz vom COMIN. Das hat Erny bei seinem neulichen Besuch im August auch sehr deutlich seitens der Guarani gespürt. Uns ist diesmal aufgefallen, dass niemand uns angebettelt hat, wie es sonst zur Jäger-und Sammlerkultur der Kaingang passt. Die Gespräche waren themen bezogen. Zum einen fragten und interessierten sich sowohl die Frauen im Kirchlein, wie auch der Kazike und die anderen Gesprächstpartner für den Besuch und für den COMIN. Zum anderen wurden auch Sorgen eingebracht, wie es mit der nachhaltigen Bewirtschaftung des Indigenen Landes weitergehen kann. Ganz besonders wurde die Sorge mit der Jugend eingebracht. Es herrscht eine gewisse Perspektivlosigkeit für die Jugendlichen, die den mittleren schulischen Abschluss geschafft haben. Sie haben im eigenen indigenen Land keine Anstellungsmöglichkeit. Die sie umgebende Welt mit ihren Konsumangeboten lockt stark. Aber auch Anstellungsmöglichkeiten ausserhalb sind einerseits anspruchsvoller in Sachen technisches Wissen, andererseits noch sehr von Voreingenommenheiten gegen Indigene geprägt. Das führt dazu, dass viele Jugendliche rumhängen und dem Alkoholismus erliegen. Der Vater von Iracy, sie selbst und auch ihr Gefährte, Avandir, haben uns direkt gefragt, ob wir uns dieser Sorge nicht auch annehmen könnten. Obwohl diese Anfrage, methodisch gesehen, genau der Arbeitsweise von COMIN und der Förderung vom Indigenen Protagonismus entspricht, war ich im Moment völlig überfragt und konnte nur stammeln, dass diese Problematik viel zu gross ist für unseren kleinen COMIN, dass wir allerdings mit ihnen zusammen die Pfade zu den verantwortlichen öffentlichen Stellen weiterhin betreten werden, sowie es beispielsweise mit Fernanda Furini von der FUNASA schon geschieht, und hier und da unseren punktuellen direkten Beitrag weiter liefern werden. Im Nachhinein haben wir realisiert, dass eine solche grosse Sorge auch nur an uns herangetragen wird, weil sie mit uns die Erfahrung machen, dass auch etwas passiert. Es bleibt doch ein Doppelgefühl, einerseits von Anerkennung und andererseits von Impotenz. Voraussichtlich wird diese Problematik noch anwachsen. Am nächsten Sonntag fliege ich nach Amazonien und besuche während der nächsten zwei Wochen die 4 Arbeitsfelder und Kollegen von COMIN.So, nun wünschen wir der Familie Jandrey eine gute Rückreise und Ankommen in Schwandorf. Euch allen ein grosses Dankeschön und Gottes reichen Segen.

Hans Alfred Trein - Koordinator von COMIN

Aktuelle Seite: Evangelisch in der Oberpfalz Unser Dekanat Partnerschaften Brasilien Rundmail von Pfarrer Hans Trein - Koordinator von COMIN