Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Diakonie: Corona

Wenn ein Mensch ohnehin schon unter schwierigen Bedingungen lebt, wird die Situation durch Corona unerträglich. Das erleben die Mitarbeiterinnen der Diakonie Tag für Tag in den Beratungsgesprächen mit ihren Klienten.

„Wir arbeiten nicht trotz Corona, sondern erst recht“, fasst Elke Wolfsteiner von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit ihre aktuelle berufliche Situation zusammen. Denn den Klienten der Diakonie geht es jetzt wesentlich schlechter als vor der Pandemie, zugleich ist die Beratung aber schwieriger, weil persönlicher Kontakt kaum möglich ist. „Die Leute sind noch in Schockstarre“, ist Wolfsteiners Eindruck. Aber sie spüren immer deutlicher, wie dramatisch sich ihre Situation ändert. Denn durch die Pandemie fallen viele Jobs einfach weg. Leiharbeiter stehen auf der Straße, man darf nicht mehr als Putzfrau im Haushalt arbeiten, und die 450 €-Jobs, mit denen viele von Wolfsteiners Klienten ihre Hartz IV-Bezüge aufbessern, werden jetzt größtenteils gestrichen. Aber auch wer einen festen Arbeitsvertrag hat, muss jetzt oft mit Kurzarbeitergeld klarkommen. „Corona schafft nicht nur neue Probleme, es verstärkt auch die alten“, fasst Irina Frescher von der Arbeitslosenberatung zusammen.

Besonders betroffen sind Alleinerziehende, weil von denen 41,5 % auch in besseren Zeiten von Armut bedroht sind. Jetzt fehlt ihnen das Schulessen, so dass sie mehr Geld für Essen ausgeben müssen, außerdem entstehen erhebliche Kosten für den Ausdruck von Arbeitsblättern für die Schule und mobile Daten, um auf dem Handy dem Unterricht zu folgen. Gegen die psychische Überforderung, die Einsamkeit und Angst hilft nur menschlicher Kontakt – derzeit schwierig. Es gibt aber Hilfen, um den finanziellen Untergang zu vermeiden (siehe Infokasten). So wird bei der Beantragung von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) zwischen dem 1.3. und dem 30.6. zunächst auf eine Vermögensprüfung verzichtet. Sollte dennoch zu viel Vermögen vorhanden sein, müssen die Betroffenen die Hilfen zurückzahlen. Wer noch Arbeit hat, kann aufstockende Hilfe und einen Kinderzuschlag bekommen.

Diakonie CoronaBei Kurzarbeitergeld kann man Wohngeld für die Miete beantragen, und wer im Eigenheim lebt, aber noch den Kredit abbezahlt, kann einen Antrag auf Lastenzuschuss für die Zinsen stellen. Sehr beruhigend für Mieter ist, dass ihnen auch bei Mietrückstand in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie die Wohnung derzeit nicht gekündigt werden kann, sagte Frescher. Ansprechpartner für die finanziellen Hilfen sind die Sozialämter bzw. das Jobcenter, aber dort ist wegen der Covid-19-Pandemie kein Publikumsverkehr möglich. Man kann Leistungen wie Wohngeld und Kinderzuschlag aber online beantragen, wenn man einen Computer hat. Mit dem Handy ist es kaum möglich. Hier unterstützt die Diakonie die Antragsteller.

„Man muss die staatlichen Hilfen nutzen und unbedingt Anträge stellen!“, findet Wolfsteiner und ermutigt gerade die Menschen, die bisher nie Unterstützung in Anspruch genommen haben, Wohngeld zu beantragen.
Die materielle Not betrifft auch die Klienten der Flüchtlings- und Migrationsberatung, hier gibt es aber noch ein weiteres Problem. Wie Gertrud Strauß berichtet, sind die Beratungen jetzt viel aufwendiger, weil persönlicher Kontakt fast unmöglich ist. Schriftliche Kommunikation ist mit Leuten, die kaum Deutsch sprechen, kompliziert, telefonieren auch. Und es gibt eine technische Schwierigkeit. Die meisten der Flüchtlinge haben ein Handy und tauschen sich intensiv über Messagerdienste wie WhatsApp aus, die aber die Diakonie aus Datenschutzgründen nicht nutzen darf. Ohne gründliche Beratung besteht aber die Gefahr, dass Flüchtlinge, weil sie Bescheide nicht verstehen, in ihrem Asylverfahren Fristen versäumen und so ihren Aufenthaltsstatus gefährden.
Wolfsteiner, Frescher und Strauß sind jeden Tag mit den Sorgen und Nöten ihrer Klienten konfrontiert, aber mit Engagement, Fleiß und Phantasie kommen sie durch die Krise. Sie haben sogar eine Möglichkeit für persönliche Beratungsgespräche gefunden: am Beratungsfenster am Pfarrplatz oder, weil ja glücklicherweise die Sonne scheint, im Garten am Beratungstisch – mit Maske und 2 m Abstand.

 

Kontakt:

Diakonisches Werk Sulzbach-Rosenberg
Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit, Flüchtlings- und Integrationsberatung, Arbeitslosenberatung
Telefon: 09661/87770-0
Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit Amberg
Telefon: 09621/37240

Informationen und Antragsformulare:

- Anspruch auf die Notbetreuung der Kinder für Alleinerziehende: https://www.stmas.bayern.de/aktuelle-meldungen/pm2004-096.php
- Vereinfachter Antrag auf Arbeitslosengeld II: https://www.arbeitsagentur.de/content/1463061318106#1478809808529
- Informationen und Antragsformulare Wohngeld: https://www.stmb.bayern.de/wohnen/wohngeld/index.php
- Erleichterungen bei Beantragung von Kinderzuschlag: https://www.arbeitsagentur.de/presse/2020-09-zugang-erleichtert-kinderzuschlag-jetzt-online

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